Stadtentwässerung Kaiserslautern
Blechhammerweg 50
67659 Kaiserslautern
Störungsmelder: 0631 / 37 23 0
E-Mail: info@ste-kl.de
Modernisierung der Kläranlage Kaiserslautern
Historische Entwicklung der Kläranlagen im Allgemeinen sowie der Kläranlage in Kaiserslautern im Speziellen.
Das Sammeln, Ableiten und Reinigen von Abwasser hat im europäischen Kulturkreis eine erstaunlich kurze Tradition. Allein die frühen Bauten der Römer bilden hierbei die Ausnahme der Regel. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gab
es in Europa kein entsprechendes Problembewusstsein. Weder bei Entscheidungsträgern noch bei der ansässigen Bevölkerung spielte das Thema Abwasser eine ernstzunehmende Rolle. Zahlreiche Epidemien zu Beginn des
19. Jahrhunderts änderten daran nur wenig. Cholera, Typhus, Ruhr und Hepatitis wüteten. Der anfängliche Irrglaube,
die Krankheiten würden über den Gestank der Abwässer übertragen, verzögerte deren ernsthafte Behandlung allerdings mehr, als sie voranzutreiben. Vorerst sollten Chlorkalk und Eisensulfat genügen, die Nasen und Ängste
der Menschen zu beruhigen. Die Krankheiten blieben.
Mitte des 19. Jahrhunderts begann der Bau erster Abwasser- und Kanalnetze in Deutschland.

Kläranlage vor der Modernisierung
Auch in Kaiserslautern flossen die Abwässer bis 1885 unbehandelt und offen in die unzähligen Bachläufe der Umgebung. Der Bau einer stadteigenen Kanalisation versprach optische
und geruchliche Verbesserung. Bis zum ersten Weltkrieg 1914 ließ die Stadt so ca. 50 Kilometer Kanal im Zentrum verlegen. Zeitgleich entstand
eine erste mechanische Kläranlage unterhalb
der Neumühle.
Mit der mechanischen Reinigung begann das Zeitalter der modernen Klärtechnik. Auch wenn es noch Jahre dauerte, bis die eigentliche, biologische Reinigung nicht länger der Natur und deren Gewässern überlassen bleiben sollte.
Erst die steigende Menge an Abwasser und die begrenzten Möglichkeiten der Gewässer Abwasser zu reinigen, änderten den Fokus der Klärtechnik. Biologische Abbauprozesse hielten Einzug. Mit Ende des zweiten Weltkrieges entstand in Deutschland flächendeckend ein modernes Netz von Kläranlagen mit biologischer Reinigungsstufe. Kaiserslautern bildete hier keine Ausnahme.
Das gestiegene Umweltbewusstsein der 70er Jahre brachte auch die moderne Klärtechnik auf Trab. Die Einführung, der sogenannten dritten Reinigungsstufe, verbesserte nochmals den Reinigungsgrad des behandelten Abwassers.
In Kaiserslautern begann der Bau dieser Reinigungsstufe 1991. Die Modernisierung der Kläranlage fand ihr vorläufiges Ende 2006.
Zur Verbesserung der Gewässerqualität traten bis heute weitere qualitätsverbessernde Maßnahmen in Kraft. So
wurde zur Reduzierung des Eintrages von Nährstoffen (Düngestoffe) der Auslaufwert der Kläranlage Kaiserslautern
ab dem Jahr 1993 für die Parameter Phospat (P) und Gesamtstickstoff (Nges) auf 1 bzw. 18 mg/l reduziert. Durch weitere Betriebsoptimierung kann die Kläranlage Kaiserslautern derzeit einen Einleitwert für Nges. von 13 mg/l
sicher einhalten. Eine wesentliche Steigerung der Gewässerqualität durch Reduzierung des Eintrages von sauerstoffzehrenden Düngestoffen ist seitdem festzustellen.
In diesem Zusammenhang ist die dritte Reinigungsstufe nicht als zusätzliche Reinigungsstufe, wie dies bei Mechanik und Biologie der Fall ist, zu verstehen. Vielmehr rüstete man die Belebungsbecken der Biologie technisch soweit auf, dass ein erhöhter Stickstoffaufbau möglich ist. Die Reduzierung des Phosphors im Abwasser wird in Kaiserslautern schließlich in einem chemischen Verfahren gelöst. Durch Zudosierung eines Fallmittels wird der Phosphatanteil entgültig reduziert.

Kläranlage nach der Modernisierung
Im Zuge dieser Maßnahme erweiterte die
Stadt Kaiserslautern die komplette biologische
Reinigung zwischen 1991 und 1996 und baute
sie entsprechend um.
Es flossen ca. 40 Mio. Euro in entsprechende Modernisierungen. In der Folge wurden der Zulaufbereich und die mechanische Reinigung erneuert. Dies geschah durch den Bau einer Rechenhalle, neuer Sand- und Fettfänge
sowie den Umbau der Vorklärbecken. Gerade die neue Rechenhalle ermöglicht es, die Arbeitsabläufe entsprechend den heutigen Anforderungen zu gestalten.
So werden Transportfahrzeuge mit Fäkalien nun nicht mehr, wie einst üblich, im Freien sondern in der Halle entladen. Moderne Rechen reinigen das Abwasser inzwischen mit einem Stababstand von drei Millimetern. Vor dem Neubau der Rechenhalle waren es noch 20 Millimeter.
Durch all diese Maßnahmen erhöht sich die Reinigungsleistung der Kläranlage Kaiserslautern erheblich. Allein die anorganischen Bestandteile des Rechengutes müssen mittlerweile noch entsorgt werden. Ein verschwindend geringer Teil.
Selbst die Abluft der Rechenhalle wird über ein Rohrleitungssystem abgesaugt und gereinigt. Ein belüfteter
Sand-Fettfang trennt das Abwasser von festen Stoffen. Der Umbau des mechanischen Teils der Kläranlage Kaiserslautern fand 2003 seinen Anschluss.
Als letzter Funktionsbereich der Anlage wurde die Schlammentwässerung neu gebaut.
Als Endprodukt der technischen Abwasserreinigung fällt Klärschlamm an. Dieser Klärschlamm besitzt einen Trockensubstanz-Anteil von ca. 1%. Die Klärschlammbehandlung und Entwässerung dienen in mehreren Verfahrensschritten dazu, den Anteil an Feststoffen auf ca. 30% zu erhöhen und das in den Faulbehältern
entstehende Klärgas zu gewinnen.
Die Gesamtmenge von ca. 350.000 Tonnen Biomasse Schlamm im Jahr wird auf 10.000 Tonnen entwässerten Schlamm reduziert. Bei diesem Prozess entstehen ca. 4.000 bis 6.000 m³ Faulgas am Tag (1,5 Mio.-2 Mio. m³
pro Jahr), welches wiederum zur Erzeugung von ca. 8.000 bis 12.000 Kilowatt Strom pro Tag (2,9 Mio.-4,4 Mio. MW
pro Jahr) ausreicht.
Für die Modernisierung dieses Anlagenteils wurde eine neue Schlammentwässerungshalle mit modernster Abluftreinigung auf der Kläranlage errichtet. Doch auch die beiden, etwa 1970 errichteten, Faultürme bleiben zu
diesem Zweck erhalten. Moderne Zentrifugen sorgen für die Trennung von Fest- und Flüssigstoffen.



